Irgendwann im Oktober kommt dieser eine Morgen. Das Thermometer zeigt drei Grad, auf der Landstraße liegt nasses Laub, und die Lust auf eine Runde ist plötzlich weg. Spätestens dann ist es Zeit, das Motorrad in die Winterpause zu schicken. Viele stellen es einfach in die Garage und denken erst im März wieder daran. Genau das rächt sich oft. Die Batterie ist tot, der Motor springt schlecht an, und die Reifen haben eine flache Stelle. Mit einer Stunde Arbeit im Herbst lässt sich das fast alles vermeiden.
Batterie: ausbauen oder dranlassen?
Die Batterie ist der Klassiker unter den Winterschäden. Auch ein abgestelltes Motorrad zieht Strom, etwa über Uhr, Wegfahrsperre oder Alarmanlage. Dazu kommt die Selbstentladung. Rutscht eine Bleibatterie über Wochen in die Tiefentladung, sulfatiert sie und erholt sich oft nicht mehr.
Eine volle 12-Volt-Bleibatterie hat in Ruhe etwa 12,7 Volt. Liegt der Wert unter 12,4 Volt, sollte sie geladen werden. Am bequemsten ist ein Erhaltungsladegerät, das den ganzen Winter angeschlossen bleibt. Es lädt nur nach, wenn die Spannung sinkt, und überlädt die Batterie nicht. Viele Motorräder haben dafür ab Werk einen Ladestecker. Sonst lässt sich ein Ladekabel mit Ösen direkt an den Polen nachrüsten. Passende Erhaltungsladegeräte für Blei-, AGM- und Lithium-Batterien gibt es zum Beispiel bei UK-Motors.
Bei Lithium-Batterien ist Vorsicht geboten. Sie brauchen ein Ladegerät mit eigenem Lithium-Programm. Ein normales Gerät mit Desulfatierungsmodus kann sie beschädigen. Außerdem sollten sie bei Frost nicht geladen werden.
Wer keinen Strom in der Garage hat, baut die Batterie aus. Sie überwintert dann an einem trockenen, frostfreien Ort und wird alle vier bis sechs Wochen nachgeladen.
Erst waschen, dann abstellen
Ein dreckiges Motorrad ist im Winter schlecht aufgehoben. Streusalz von den letzten Herbstfahrten frisst sich über Monate in Schrauben, Speichen und Krümmer. Deshalb wird vor der Pause gründlich gewaschen. Danach muss das Bike richtig trocknen, am besten nach einer kurzen Fahrt, damit auch versteckte Stellen trocken werden.
Danach kommt die Kette dran. Reinigen, trocknen lassen, frisch fetten. Blanke Metallteile wie Auspuff, Felgen oder Speichen bekommen eine dünne Schicht Konservierungsspray. Das Spray sparsam auftragen und mit einem Lappen verteilen. Bremsscheiben und Reifen bleiben dabei unbedingt sauber, sonst gibt es im Frühjahr eine böse Überraschung beim ersten Bremsen.
Tank voll oder leer?
Auf diese Frage gibt es keine Antwort für alle Motorräder, denn es kommt auf den Tank an.
Ein Blechtank sollte möglichst voll sein. In einem halbleeren Tank bildet sich Kondenswasser, und das fördert Rost an der Innenwand. Ein Kunststofftank darf dagegen eher leer bleiben. Laut ADAC können Bestandteile des Kraftstoffs durch die Tankwand diffundieren. Im Zweifel hilft ein Blick ins Handbuch.
Beim Kraftstoff selbst ist Super E5 im Winter die bessere Wahl als E10. Ethanol zieht Wasser an, und das will man über Monate nicht im Tank haben. Ein Benzinstabilisator verhindert zusätzlich, dass der Sprit altert und verharzt.
Bei Vergasermotoren lohnt ein weiterer Handgriff. Benzinhahn zu, dann die Schwimmerkammer über die Ablassschraube leeren oder den Motor laufen lassen, bis er von selbst ausgeht. Altes Benzin verharzt in den feinen Düsen, und dann ist im Frühjahr Vergaserreinigen angesagt. Bei Einspritzern entfällt dieser Schritt.
Öl und Kühlflüssigkeit
Altes Motoröl enthält Säuren und Verbrennungsrückstände. Über den Winter greifen sie Lager und Dichtungen an. Wer ohnehin einen Ölwechsel fällig hat, macht ihn deshalb vor der Pause und nicht erst im Frühjahr. Am besten wird das Öl warm abgelassen und der Ölfilter gleich mitgetauscht.
Bei wassergekühlten Motorrädern gehört auch der Frostschutz auf den Prüfstand. Ein einfacher Kühlmittelprüfer aus dem Baumarkt zeigt, bis zu welcher Temperatur die Mischung schützt. Für eine unbeheizte Garage sollten es mindestens minus 25 Grad sein.
Reifen und Standplatz
Steht ein Motorrad monatelang auf derselben Stelle der Reifen, bilden sich Standplatten. Am besten kommt es deshalb auf einen Montageständer, damit beide Räder frei sind. Ohne Ständer hilft es, den Luftdruck um etwa 0,5 bar zu erhöhen und das Motorrad alle paar Wochen ein Stück zu bewegen.
Der ideale Platz ist trocken, gut belüftet und nicht beheizt. Eine warme Tiefgarage mit Schwankungen zwischen Tag und Nacht ist schlechter als eine kühle, trockene Garage. Abgedeckt wird mit einer atmungsaktiven Plane oder einem alten Bettlaken. Eine luftdichte Folie ist tabu, denn darunter sammelt sich Schwitzwasser.
Wer das Motorrad ohne Garage überwintern muss, braucht eine wasserdichte, aber atmungsaktive Outdoor-Plane. Sie sollte mit Spanngurten gegen Wind gesichert werden. Eine Alternative ist eine Faltgarage. Eine dicke Unterlage zwischen Reifen und Boden hält außerdem die Kälte von unten ab.
Saisonkennzeichen nicht vergessen
Wer mit Saisonkennzeichen fährt, muss eines wissen: Außerhalb des Zeitraums darf das Motorrad nicht im öffentlichen Verkehrsraum stehen, auch nicht am Straßenrand vor der Haustür. Es braucht dann einen privaten Stellplatz. Die Teilkasko läuft in dieser Zeit meist als Ruheversicherung weiter. Ein kurzer Anruf bei der Versicherung schafft Klarheit, was genau abgedeckt ist.
Checkliste zum Abhaken
- Motorrad waschen und gründlich trocknen
- Kette reinigen und fetten
- Blanke Metallteile konservieren, Bremsen aussparen
- Ölwechsel mit neuem Filter, falls fällig
- Frostschutz prüfen
- Tank je nach Material füllen oder leeren, Stabilisator zugeben
- Bei Vergasern die Schwimmerkammer leeren
- Batterie ans Erhaltungsladegerät hängen oder ausbauen
- Reifendruck erhöhen oder Motorrad auf den Montageständer stellen
- Atmungsaktiv abdecken
Das klingt nach viel, ist aber an einem Samstagnachmittag erledigt. Im Frühjahr zahlt sich das aus. Batterie anstecken, Reifendruck zurückstellen, Kette kurz prüfen, und das Motorrad springt beim ersten Druck auf den Starter an.

