Traktionsalopezie ist eine Form des Haarverlusts, die durch wiederholte mechanische Belastung der Haarfollikel entsteht. Dieser Artikel erklärt, wie die Traktionsalopezie entsteht, welche Symptome typisch sind, welche diagnostischen Schritte angewendet werden und welche evidenzbasierten Behandlungsoptionen zur Verfügung stehen. Besonderer Wert wird auf eine objektive medizinische Darstellung gelegt, frei von nicht belegbaren Versprechen oder werbenden Aussagen.
Was versteht man unter Traktionsalopezie?
Traktionsalopezie ist eine nicht-entzündliche Form des Haarausfalls (Alopezie), die durch kontinuierlichen Zug auf die Haare entsteht. Dieser Zug kann durch bestimmte Frisuren oder Haarpraktiken über längere Zeit wirken und zu einer Schädigung der Haarfollikel führen. Zu den klassischen Auslösern gehören eng gezogene Zöpfe, Dutts oder Extensions, die wiederholt und über Monate bis Jahre getragen werden.
Im Gegensatz zu anderen Formen des Haarausfalls wie der androgenetischen Alopezie beruht Traktionsalopezie primär auf einem externen, mechanischen Reiz, nicht auf hormonellen oder genetischen Faktoren.
Siehe auch: https://flymedica.com/de/traktionsalopezie-symptome-behandlung-haarausfall-zopf-dutt/
Wie entsteht Traktionsalopezie – ein Blick auf den Mechanismus
Haarfollikel sind lebende Strukturen in der Haut, die regelmäßig Haarfasern produzieren. Sie bestehen aus einer Wurzel, einer Papille, die die Versorgung steuert, und einer Umhüllung aus Bindegewebe. Bei wiederholtem Zug auf das Haar werden diese Strukturen über ihr physiologisches Maß hinaus belastet.
Chronischer Zug kann zu folgenden zellulären Veränderungen führen:
- Mikrotraumata der Haarfollikel: Wiederholtes Ziehen führt zu kleinen Verletzungen am Follikel, die im Laufe der Zeit zu Vernarbungen führen können.
- Entzündliche Veränderung: Als Reaktion auf die mechanische Belastung kann es zu einer leichten, oft subklinischen Entzündung im Bereich der Follikel kommen, die deren Funktion weiter beeinträchtigt.
- Schrumpfung der Follikel: Langfristig schrumpfen betroffene Follikel, was zu dünner werdenden Haaren und schließlich zu dauerhaftem Haarausfall führt.
Das führt dazu, dass zunächst die Haare in den betroffenen Regionen dünner werden und später – bei anhaltender Belastung – dauerhaft ausfallen können.
Typische Symptome und klinische Merkmale
Die Symptome der Traktionsalopezie entwickeln sich schleichend und hängen davon ab, wie stark und wie lang der Zug auf das Haar wirkt.
Häufige Anzeichen sind:
- Lokalisierter Haarausfall vor allem an Stellen, wo das Haar stark gezogen wird (z. B. entlang der Haarlinie oder an den Schläfen).
- Sichtbar dünner werdendes Haar im betroffenen Bereich.
- In frühen Stadien keine Schmerzen, gelegentlich geringfügiges Spannungsgefühl.
- In fortgeschrittenen Fällen kann die Haut im Bereich des Haarausfalls glatter und narbig erscheinen, was auf eine irreversible Schädigung der Haarfollikel hindeutet.
Differenzialdiagnostisch müssen andere Ursachen von Haarausfall ausgeschlossen werden, z. B. Alopecia areata oder diffuse Effluvien bei systemischen Erkrankungen.
Diagnostische Schritte
Die Diagnose der Traktionsalopezie basiert in erster Linie auf der klinischen Anamnese und der körperlichen Untersuchung. Typisch ist die Korrelation zwischen belastenden Frisuren oder Haarpraktiken und dem Muster des Haarausfalls.
Wichtige Elemente der Diagnostik:
- Anamnese:
o Frage nach Haarpflege- und Stylinggewohnheiten.
o Dauer und Intensität der Belastung (z. B. tägliches Tragen von engen Frisuren).
- Klinische Untersuchung:
o Beurteilung des betroffenen Areals.
o Beobachtung von Follikelstörungen, Narbenbildung oder rasierten Bereichen.
- Zusätzliche Untersuchungen (wenn indiziert):
o Trichoskopie zur Beurteilung der Haardichte und Follikelstruktur.
o Gelegentlich eine Hautbiopsie, wenn andere Ursachen nicht ausgeschlossen werden können.
Laboruntersuchungen wie Schilddrüsenparameter oder Eisenstatus können ergänzend sinnvoll sein, um einen diffusen Haarausfall auszuschließen, sind bei klarer klinischer Präsentation jedoch oft nicht nötig.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Das vorrangige Ziel bei der Traktionsalopezie ist es, weitere mechanische Belastungen der Haarfollikel zu reduzieren oder zu vermeiden. In vielen Fällen ist dies der erste und wichtigste Schritt.
1. Modifikation des Haarverhaltens
- Reduktion von Zugbelastung: Ändern Sie Frisuren so, dass sie den Zug auf die Haare minimieren.
- Vermeidung von engen Zöpfen, Dutts, Extensions oder Haarteilen, die anhaltenden Zug erzeugen.
- Sanfte Haarpflege: Verwendung schonender Bürsten und schonender Stylingmethoden.
Diese Maßnahmen können dazu beitragen, die Progression des Haarausfalls zu verlangsamen oder zu stoppen, besonders in frühen Stadien.
2. Medizinische Therapien
In Fällen, in denen das Haar nur dünner geworden, aber die Follikel noch nicht irreversibel geschädigt sind, können medizinische Ansätze geprüft werden. Dazu gehören je nach individueller Situation:
- Topische Minoxidil-Lösungen: Werden in einigen Fällen zur Stimulierung des Haarwuchses genutzt, allerdings ist die Evidenz speziell bei Traktionsalopezie begrenzt.
- Sanfte, entzündungshemmende Maßnahmen: Wenn eine begleitende Entzündung vermutet wird, können entzündungshemmende Shampoos oder Präparate hilfreich sein, immer nach ärztlicher Abklärung.
3. Chirurgische Optionen
Ist die Traktionsalopezie bereits in ein Stadium übergegangen, in dem Follikel zerstört und durch Narbengewebe ersetzt worden sind, kann eine chirurgische Wiederherstellung erwogen werden. Hierzu gehört die Verpflanzung von Haarfollikeln aus anderen Bereichen der Kopfhaut (Autologe Haartransplantation).
Im Kontext chirurgischer Haarwiederherstellung sind unterschiedliche Ansätze möglich. Viele Patientinnen und Patienten, insbesondere solche mit ausgeprägtem kosmetischem Leidensdruck, ziehen auch Optionen im Ausland in Betracht. Ein Beispiel hierfür ist die Haartransplantation in der Türkei, die von vielen Personen als eine mögliche Behandlungsoption diskutiert wird, wobei hierbei Qualität, Regulierungen und individuelle medizinische Eignung sorgfältig zu prüfen sind. Mehr zu diesem Thema finden Sie unter: https://flymedica.com/de/haartransplantation-tuerkei/.
Traktionsalopezie ist eine mechanisch bedingte Form des Haarausfalls, die durch wiederholten Zug auf die Haare entsteht. Die frühzeitige Erkennung und vor allem die Vermeidung weiterer Zugbelastung sind entscheidend, um eine Verschlechterung zu verhindern. Medizinische und chirurgische Optionen können je nach Stadium des Haarausfalls sinnvoll sein, wobei keine Methode universell wirksam ist und jede Entscheidung eine sorgfältige medizinische Abwägung erfordert. Individuelle Faktoren, Lebensgewohnheiten und die Schwere der Follikelschädigung bestimmen, welche Schritte sinnvoll sind.
Literaturverzeichnis
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